Samstag, Februar 24, 2007

fool's gold.

THE PAST.
am vergangenen donnerstag hat aaron cometbus im posthorn zu eckersmühlen halt gemacht, um eine lesung abzuhalten. wie immer wenn ich mich auf einzelpersonen freue, rechne ich damit, dass sie das bild, das ich von ihnen habe, komplett zerstören.
aaron cometbus war angenehmerweise genau so, wie er auch schreibt.
die jungs, die die lesung organisierten, hatten ein kleines wohnzimmer für ihn gebaut, und trotz der zehn zahlenden gäste lag etwas feierliches in der luft. cometbus atmet, was er schreibt, gibt dem leben zurück, was es braucht, ein bisschen gespür für die offenen verbindungsenden, ein bisschen magie.
seit sieben jahren war ich nicht mehr in diesem laden! mit siebzehn oder achtzehn habe ich hier angefangen, konzerte mitzuveranstalten. zum teil ganz schreckliche bands, aber in einem umkreis von fast 40km war das der einzige ort, an dem punk gespielt wurde. man nahm was man bekam.
ein mehr als kribbeliges gefühl erfasste mich auf dem weg dorthin. erinnerungen an alte zeiten wurden wach; einmal stand ich damals mit einer französischen band auf der bühne und spielte mit ihnen spontan ein "gas chamber"-cover von den angry samoans. einem damaligen freund von mir wurde währenddessen im landjugendpit das brustwarzenpiercing herausgerissen. oh, the times.
an diesem abend hat mich jedoch nach meiner ankunft die realität recht kalt eingeholt und mir fiel wieder ein, dass ja überhaupt niemand mehr hier wohnt von denen, die wir damals waren. und die, die es doch noch tun, haben sich geistig inzwischen zur ruhe gesetzt. ich erinnere mich an benni, ein sehr amüsanter querkopf, romantisch veranlagt, der diesen blick hatte wie viele: es muss doch auch anders gehen. zwischen trotz und unverständnis. zwischen der bong auf dem balkon und dem herz am rechten ort. glaube liebe hoffnung. der zum beispiel ist heute ein bankangestellter und geht mindestens siebenmal die woche ins fitnesstudio, wenn man seinem aufgeblasenen brustkorb glaubt. den brustwarzenpiercingtyp hat es ähnlich erwischt. die sicherheit auf dem land, das bollwerk gegen die welt, vielfalt auf engstem raum.
wenn man denn an so etwas glaubt, so plötzlich. und dabei haben wir alle drei - benni, brustwarze, ich - wahrscheinlich mit wenigen unstimmigkeiten die gleiche wahrnehmung der vergangenheit.
in der gegenwart sehen die dinge zum glück nicht so düster aus, zumindest nicht in meiner. nach der lesung bin ich sofort nach nürnberg gefahren, um mir thunderbirds are now anzusehen.
die wollen inzwischen pop sein und konnten das auch ganz gut. mir war die atmosphäre zu steril, die songs zu sehr auf den refrain ausgelegt. aber ich habe mich in die brille des schlagzeugers verliebt.
musikverein-chaingang-worker. nenn ihn #2.
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THE BLAST.
freitag. jess kocht mit nur zwei stunden schlaf für dreißig musiker zwischen alt-country und...naja...emocore. so nennen es lvmen zumindest selbst.
ich hatte die band noch nie zuvor gesehen und rechnete eigentlich damit, von einer bedrückend-düsteren dampfwalzenarmadagleichen druckwelle gegen die wand gedrückt zu werden. aber lvmen waren anders. ich war selten so ruhig auf einem konzert, innerlich. ständig bin ich wie im halbschlaf nach vorn und hinten gewiegt, immer wieder gebannt von den videos, die hinter der band liefen, und gleichsam aufgesogen von der musik. die nicht im geringsten düster wirkte. alles bleibt ruhig. im auge des sturms. um dich herum zerreisst die welt in fetzen, du hörst nur auf deinen atem. es würde zu weit gehen zu behaupten, dass eine spirituelle stimmung vor der show geherrscht hätte, aber es lag da etwas in der luft, etwas anderes. ähnlich wie bei cometbus.
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THE LAST.
kurz vor dem weg nach hause geben notorious g-love und ich ein minimal-fahrradklingelkonzert vor dem k4. zehn passanten bleiben stehen und klatschen. fast konsequent, am nächsten morgen auf einen flohmarkt zu gehen.
ich war schon seit jahren auf keinem flohmarkt mehr gewesen! meine letzten zwei besuche auf solchen veranstaltungen waren mir zu sehr als andersweltliche erfahrungen in erinnerung geblieben, sodass ich mich für die darauffolgende zeit vom krimskraskrusch-volk besser fernhielt.
damals trafen meine damalige freundin und ich einen ganz irren typ. ich landete an seinem stand wegen einer schlechten peter tosh-kassette. schnell fand er das gespräch zu uns und eröffnete uns seinen wilden plan: er war auf der suche nach darstellern für einen "jugendfilm". ich könnte beispielsweise um ein mädchen mit einem männlichen rivalen kämpfen, während einer strandparty. der plot war so simpel wie bekloppt. die "mädchen" wären im wasser, derweil. "ja, badeszenen wird es schon geben! aber! keine pornographie!" wiederholte er ständig. "aber nahaufnahmen!" redete von knappen bikinis und dem leben der jungen leute in seinem kopf. zwanzig minuten später hatte ich umsonst eine peter tosh-kassette bekommen und wir waren auf dem weg weg von diesem ort, ganz weit weg.
einige monate später trafen wir den kopfregisseur erneut. dieses mal stand neben seinem trödelstand ein großes schild mit der aufschrift "suche wohnung - ab sofort".
mit micha und quirin war es da schon ein angenehmerer besuch. auch, wenn ich mir beinahe leuchtdioden für die ventile meines fahrrads hätte andrehen lassen. ich konnte schon deswegen nicht wiederstehen, weil mich dieser schlag menschen, trödlermenschen, so magnetisch anzieht. der dazugehöroge typ erklärte mir nämlich ständig, dass auf dem ganzen trödelmarkt nur er in besitz mehrerer kartons dieser zukunftsweisenden erfindung wäre. "nächstes jahr wird es das überall geben! das ist das geheimnis des lebens: man muss wissen, was man kauft!"

3 Comments:

Blogger Inger said...

Hab die Geschichte schon fast vergessen, wahnsinn der Kerl....
schick mir mal deine ZA

11:33 vorm.  
Anonymous quirin said...

ja, wir hätten uns diese ventildeckel kaufen sollen. damit wären wir jetzt die absoluten hipster. und müssten uns nicht mit so trend-getränken wie red bull fotografieren...

7:18 nachm.  
Anonymous Anonym said...

Notwendigkeit zu uberprufen:)

8:06 vorm.  

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